Sasha Banks
BOSS TIME!
Sie ist das prägende Gesicht der Women’s Evolution und eine der besten WWE-Wrestlerinnen aller Zeiten. Gleichzeitig gibt es keinen Superstar, der härter für den Erfolg arbeiten musste. Power-Wrestling blickt auf die einmalige Karriere von Sasha Banks.
MARCUS HOLZER
2015 gewann Banks die NXT Women‘s Championship
Banks vs. Becky, die frühen Jahre
Women’s Champion. Zwei Mal Women’s Tag Team Champion, darunter die allererste Regentschaft überhaupt. NXT Champion. WWE Triple Crown Champion. WWE Grand Slam Champion. Unzählige Hauptkämpfe bei Raw, SmackDown und gleich mehreren Pay-Per-Views. Teilnehmerin beim ersten Hell in a Cell Match zwischen zwei Frauen. Main Eventer bei WrestleMania. Und das alles vor ihrem 30. Geburtstag.
Es hat einen guten Grund, warum Sasha Banks für uns DAS Gesicht der WWE Women’s Evolution Era ist. Trotzdem vermittelt „The Boss“ nicht gerade den Eindruck, als würde sie sich mit dem Erreichten in irgendeiner Form zufriedengeben. Banks mag beim Marktführer im Sports- Entertainment so ziemlich alles erreicht haben. Doch satt ist die charisma-tische Wrestlerin noch lange nicht. „Ich bin wie ein guter Käse, ein gutes Steak oder ein guter Wein. Mit dem Alter werde ich immer besser“, sagt sie selbst. Dies ist Geschichte von Sasha Banks.
MIT SNOOP DOGG ZU WRESTLEMANIA
Geboren wurde sie am 26. Januar 1992 als Mercedes Kaestner-Varnado im kalifornischen Fairfield. Sie wuchs ohne Vater auf und lernte bereits früh, mit großer Verantwortung umzugehen. Denn wann immer ihre Mutter arbeitete, musste sie sich um ihren drei Jahre jüngeren, autistischen Bruder kümmern. Eine Aufgabe, die viel Hingabe erforderte.
Nach mehreren Umzügen wurde die kleine Familie bei Boston im US-Bundesstaat Massachusetts schließlich sesshaft. Dass sie eines Tages Wrestlerin sein würde, stand für Mercedes bereits in ganz jungen Jahren fest. Genauer gesagt seit dem Tag, an dem sie zum ersten Mal ihr großes Idol Eddie Guerrero im Seilgeviert erblickte. Die meisten Menschen hätten diesen Wunsch vielleicht als Tagträumerei, wenn nicht sogar als Spinnerei abgetan, doch Mercedes ließ sich auch Jahre später nicht von ihrem Lebensziel abbringen. Im Gegenteil, der Wunsch wurde mit der Zeit sogar immer stärker.
Das Geld für den Besuch einer Live-Veranstaltung der WWE fehlte zwar, doch zumindest konnte sich Kaestner-Varnado auf familiäre Unterstützung verlassen. Als Ihr Cousin Calvin Cordozar Broadus jr. eine Einladung zu WrestleMania XXIV am 30. März 2008 in Orlando erhielt, durfte sie ihn kurzerhand begleiten. Broadus ist niemand Geringerer als der Hip-Hop-Megastar Snoop Dogg, mit dem Wrestling eng verbunden und inzwischen sogar ein Mitglied der WWE Hall of Fame. Dass seine 20 Jahre jüngere Cousine selbst eines Tages in die Ruhmeshalle aufgenommen wird, steht außer Zweifel. Doch im Frühling 2008 konnte davon noch keine Rede sein.
„Ich weiß noch, wie ich ihn regelrecht anflehte, mich mitzunehmen“ offenbarte sie viele Jahre später in einem Interview auf BET.com. Er tat ihr diesen Gefallen - und ließ sie bei den Proben zum Event sogar hautnah dabei sein. „Ich dachte nur: ‚Wow, eines Tages werde ich selbst diese Rampe zum Ring entlanglaufen.‘“
BERUFSZIEL: WRESTLERIN
Wie ernst es ihr inzwischen damit war, zeigt auch folgende Anekdote: Kurz nach ihrem 18. Geburtstag bewarb sich Mercedes bei der New England Pro Wrestling Academy für die Teilnahme an einem sogenannten Fantasy Camp. Dem Sieger bzw. der Siegerin winkte ein dreimonatiges Gratis-Training. Angesichts der klammen finanziellen Situation eine große Chance für Mercedes. „Ich sagte zu meiner Mom: ‚Ich bin nun 18, habe die nötigen Unterlagen unterzeichnet und werde mich bestimmt nicht davon abbringen lassen!“. Dem Gewinner bzw. der Gewinnerin des Camps sollten drei Monate Gratis-Training winken. „Ich war damals absolut pleite. Glücklicherweise wählten sie mich als einziges Mädchen an diesem Tag aus, so dass ich trotzdem mit dem Training beginnen konnte.“
Während die ein oder andere WWE-Diva damals beim Durchblättern von Bikinimoden-Katalogen entdeckt wurden, hatte Mercedes viel Arbeit vor sich. Doch das war okay für sie, denn ebenso wie ihre großen Vorbilder wollte sie als Wrestlerin überzeugen, nicht als Model. Zwei Jahre lang trat sie als Mercedes KV in diversen Independent-Promotions vornehmlich im Nordosten der USA an und verdiente sich dabei ihre Sporen im Seilgeviert.
Ihr allererstes Pro-Match bestritt sie am 8. August 2010 für NECW World Women’s Wrestling in Quincy, Massachusetts. Mercedes KV und Ivy gegen Sammi Lane und Ariel. „Sie hatte den ‚It-Faktor‘, das konnte man bereits am allerersten Tag erkennen“, erzählte Ana Otero im Gespräch mit Power-Wrestling. Als Ariel stand sie einst mehr als eineinhalb Dekaden im Ring, trat unter anderem bei Shimmer, ROH, unzähligen weiteren Independent Promotions in den USA, aber auch in Mexiko und Japan an.
„Ich erinnere mich noch, wie nervös [Mercedes] in ihrem allerersten Match war. Ich habe mein Bestes gegeben, um ihr erstes Wrestling-Erlebnis zu einem positiven Ereignis zu machen, obwohl ich auf der Gegenseite stand. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits viel Erfahrung gesammelt hatte und ihren Trainer gut kannte, verbrachten wir den Großteil des Matches miteinander. Dafür, dass es ihr erstes Match war, hat sie sich extrem gut angestellt.“